Metallumformung: Verfahren, Werkstoffe und industrielle Anwendungen

Grundlagen der Metallumformung

Die Metallumformung ist ein Fertigungsverfahren, bei dem Werkstoffe durch mechanische Kräfte plastisch verformt werden – ohne Material zu entfernen oder hinzuzufügen. Im Gegensatz zur spanenden Bearbeitung geht dieser Prozess nicht mit einer Materialentfernung einher, sondern lediglich mit der Modifizierung der Form. Dies führt zu dauerhaften Veränderungen in der Struktur des Metalls und ermöglicht die Herstellung präziser Bauteile mit hoher Festigkeit.

Metallumformung: Verfahren, Werkstoffe und industrielle Anwendungen
© Himesh.k.u (CC BY-SA 3.0)

Kalt- versus Warmumformung

Bei der Kaltumformung erfolgt die plastische Verformung bei Raumtemperatur oder leicht darunter, wodurch die Festigkeit des Materials durch Kaltverfestigung steigt und engere Toleranzen sowie exzellente Oberflächenqualität erreicht werden. Das Warmumformen findet oberhalb der Rekristallisationstemperatur statt und ermöglicht grössere Verformungen bei geringeren Kräften – ideal für komplexe Bauteile. In der Automobilindustrie werden beide Verfahren häufig kombiniert: Kalt für Präzisionsteile, Warm für grosse Verformungen.

Verfahren und Technologien

Blechumformung: Abkanten, Runden und Tiefziehen

Das Abkanten von Blechen ist ein zentrales Biegeverfahren, bei dem aus flachen Materialien präzise gewinkelte Formstücke entstehen. Moderne NC-gesteuerte Abkantpressen arbeiten mit bis zu 250 Tonnen Presskraft und erreichen Winkeltoleranzen von ±0,5° sowie Längentoleranzen im Zehntel-Millimeter-Bereich. Das Runden ermöglicht die Herstellung zylindrischer und konischer Bauteile wie Luftkanäle oder Behälter. Das Tiefziehen formt dünne Metallelemente durch Pressen in spezielle Formen und ist besonders für Karosserieteile oder Gehäuse geeignet.

Rohr- und Profilbearbeitung

Für die Herstellung komplexer Rohrgeometrien kommen CNC-gesteuerte Rohrbiegemaschinen zum Einsatz, die Leitungen mit Aussendurchmessern bis zu 30 mm und Längen bis zu 3300 mm präzise formen. Das Drückwalzen (Flowforming) ist ein spanloses Kaltumformverfahren zur Fertigung rotationssymmetrischer Bauteile wie Präzisionsrohre oder Gehäuse. Dabei wird die Wanddicke der Vorform mittels Drückwalzen reduziert und plastisch verformt. Die Extrusion (Strangpressen) erzeugt Profile mit konstantem Querschnitt, insbesondere aus Aluminium oder Kupfer.

Werkstoffe und ihre spezifischen Eigenschaften

Leichte Werkstoffe: Aluminium und Kupfer

Aluminium zeichnet sich durch die herausragende Kombination aus Leichtigkeit und Stabilität aus und spielt eine zentrale Rolle im Automobilbau sowie in der Luftfahrt. Die natürliche Korrosionsbeständigkeit durch die Oxidschicht macht es besonders langlebig. Kupfer bietet hervorragende elektrische und thermische Leitfähigkeit und wird für leitfähige Bauteile in der Elektronik und Elektromobilität eingesetzt, etwa für Stromschienen in Batterien oder Leitungsrohre. Messing überzeugt durch gute Verformbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und Festigkeit für technische Bauteile.

Hochfeste Stähle

Für sicherheitskritische Komponenten wie Airbag-Hülsen oder Fahrwerksrohre werden höherfeste Stahlsorten verwendet, die durch Umformverfahren weiter verfestigt werden. Kaltgewalzte Sonderrohre und -profile aus Stahl finden Anwendung in Bau- und Automobilindustrie, wo sie Gewichtseinsparungen und optimierte Fertigungsprozesse ermöglichen.

Branchenspezifische Anwendungen

Automobilindustrie und E-Mobilität

Die Automobilindustrie ist ein Hauptanwendungsbereich für Umformtechnologien. Rohrbiegemaschinen formen Komponenten für Karosseriestrukturen, Fahrgestelle sowie Hydraulik- und Kühlsysteme. In der E-Mobilität werden spezielle Biegemaschinen für das Formen von Kupfer- und Aluminium-Stromschienen eingesetzt, die die Energieverteilung in Batterien und Ladegeräten übernehmen. Durch Leichtbaulösungen lassen sich bis zu 30 Prozent des Bauteilgewichts einsparen.

Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik

In der Luft- und Raumfahrt werden durch Flowforming Antriebswellen für Flugzeugtriebwerke, Steuerdüsen für Satellitenmotoren und Präzisionsrohre gefertigt. Die Medizintechnik nutzt Kaltumformung für Implantate, chirurgische Instrumente und Komponenten für MRT-Geräte, wobei sterile Oberflächen, enge Toleranzen und Biokompatibilität essentiell sind.

Qualitätssicherung und Effizienz

Präzision und Prozesskontrolle

Moderne Umformanlagen arbeiten mit optischen 3D-Messsystemen und Kontrolllehren, um enge Formtoleranzen zu garantieren. Induktive Sensoren und Vision-Systeme überwachen die korrekte Teileposition und verhindern Schäden an Presswerkzeugen. RFID-Systeme ermöglichen das Asset Tracking und die Werkzeugidentifikation in der Stanzerei.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Metallumformung ist ressourcenschonend, da kein Material verloren geht – im Gegensatz zu spanenden Verfahren entstehen keine Späne. Die Verfahren ermöglichen stabile Bauteile mit minimalem Materialeinsatz und reduziertem Energieverbrauch. Besonders das HEATforming als Warmumformungsverfahren benötigt weniger als 10 Prozent der Umformkraft gegenüber Hydroforming und erlaubt die Nutzung von Standardlegierungen mit reduziertem Einsatzmaterial.